Im Dorf Lhazê der Gemeinde Lhazê in der Stadt Shigatse in Xizang erweisen sich traditionelles handwerkliches Können und kulturelle Ressourcen zunehmend als „goldener Schlüssel“ zu höheren Einkommen. In den vergangenen Jahren hat das Dorf mit drei charakteristischen Wirtschaftszweigen – traditionellem ethnischem Handwerk, Duixie-Gesangs- und Tanzaufführungen sowie der Herstellung geschmiedeter tibetischer Messer – einen neuen Weg zur Stärkung der lokalen Wirtschaft eingeschlagen, der von den Besonderheiten des Dorfes geprägt ist und den Einwohnern zugutekommt.
Familienwerkstätten bündeln ihre Kräfte – traditionelles Handwerk schafft eine verlässliche Lebensgrundlage
Um den Möglichkeiten der Arbeit von zu Hause aus Rechnung zu tragen, setzt das Dorf Lhazê auf traditionelle handwerkliche Erzeugnisse wie tibetische Stiefel, Bangdian-Schürzen und Kadian-Teppiche als wichtige Einkommensquelle vor Ort. Durch regelmäßige Schulungen in handwerklichen Fertigkeiten, die konsequente Umsetzung wirtschaftlicher Fördermaßnahmen und den Aufbau einer integrierten Online- und Offline-Plattform für Produktion und Vertrieb ermutigt das Dorf die Einwohner fortlaufend, sich an der Herstellung und Verarbeitung regionaltypischer Produkte zu beteiligen. Die Familienwerkstätten wachsen stetig und ihre Betriebsabläufe werden zunehmend professionalisiert.

Tsering Drolkar bei der Wollweberei für Kadian-Teppiche
Die 63-jährige Qungda beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit der Wollweberei. Heute teilt sie sich die Arbeit mit ihrem Sohn: Sie webt tibetische Stiefel und Bangdian-Schürzen, während er sich um Stickereien und die Farbabstimmung kümmert. „Ein Paar tibetische Herrenstiefel lässt sich für 550 Yuan verkaufen, ein Paar Damenstiefel für 450 Yuan“, erzählt Qungda. Bei der Arbeit zu Hause könne sie sich zugleich um ihre Familie kümmern und ein verlässliches Einkommen erzielen. Auch Tsering Drolkar hat sich mit ihrem Handwerk eine gute Lebensgrundlage geschaffen. Mit 14 Jahren begann sie, das Weben von Kadian-Teppichen zu erlernen, und übt dieses Handwerk inzwischen seit 31 Jahren aus. „Für ein Set aus einem Kadian-Teppich und vier Rückenkissen brauchen wir gut 20 Tage. Dafür bekommen wir ungefähr 12.000 Yuan“, erklärt sie. Die fertigen Produkte würden direkt an Geschäfte in Shigatse geliefert und dort in Kommission verkauft. Um den Absatz müsse sie sich daher keine Sorgen machen.

Qungda beim Weben tibetischer Stiefel und Bangdian-Schürzen
Dank kontinuierlicher Förderung haben sich die Familienwerkstätten in Lhazê von anfänglich einigen Dutzend Betrieben stetig vergrößert und zunehmend in Richtung standardisierter Abläufe und größerer Produktionskapazitäten entwickelt. Im Jahr 2024 waren 192 Haushalte in die handwerkliche Produktion eingebunden; der Gesamtumsatz erreichte 2,2 Millionen Yuan. Im Jahr 2025 stieg die Zahl der beteiligten Haushalte auf 225, der Jahresumsatz auf 3,513 Millionen Yuan. Allein von Januar bis Juli 2026 waren bereits 227 Werkstätten in Betrieb und erzielten einen Umsatz von 2,9849 Millionen Yuan. Dank des geringen Investitionsbedarfs, des überschaubaren Risikos und der flexiblen Arbeitszeiten sind Familienwerkstätten für die Dorfbewohner zu einer zentralen Quelle für dauerhaft steigende Einkommen geworden.

Von Dorfbewohnern in Lhazê gefertigte tibetische Stiefel
Duixie-Aufführungen halten die Tradition lebendig – Volkskultur eröffnet neue Einkommensmöglichkeiten
Als einer der Ursprungsorte des „Lhazê-Duixie“, das zum immateriellen Kulturerbe auf nationaler Ebene zählt, erschließt das Dorf Lhazê gezielt den Wert seiner Volkskultur, um den Wohlstand der Einwohner zu fördern. Dazu hat es künstlerisch interessierte Menschen, in die Heimat zurückgekehrte junge Leute und verfügbare Arbeitskräfte ausgewählt und eine eigene Duixie-Aufführungsgruppe gegründet. Die regelmäßige Erarbeitung neuer Programme und das Training grundlegender Fertigkeiten steigern kontinuierlich die Qualität der Darbietungen und vergrößern die Bekanntheit der Duixie-Tradition.

Duixie-Aufführung der Künstlergruppe des Dorfes Lhazê
Die Gruppe tritt bei traditionellen Festen, Veranstaltungen zur Förderung von Kultur und Tourismus sowie ländlichen Kulturveranstaltungen auf und gibt im Jahresdurchschnitt mehr als 40 Vorstellungen. So erreichen die traditionellen Gesänge und Tänze ein immer größeres Publikum. Mit dem Entwicklungsmodell „Volkskultur + künstlerische Aufführungen + höhere Einkommen“ erschließt das Dorf seine kulturellen Ressourcen und schafft zusätzliche Verdienstmöglichkeiten. Inzwischen erzielen Menschen aus 19 Haushalten durch ihre Auftritte regelmäßige Einnahmen. Duixie hat den Weg von den Feldern ins Rampenlicht gefunden: Die traditionelle Volkskunst wird nicht nur lebendig weitergegeben, sondern füllt auch ganz konkret die Geldbeutel der Dorfbewohner. Damit ist sie zu einer weiteren Möglichkeit geworden, Einkommen und Wohlstand zu steigern.

Gruppenfoto der Künstlergruppe des Dorfes Lhazê
Handwerkskunst am Schmiedefeuer lebt über Generationen fort – tibetische Messer schaffen Wohlstand
Die traditionelle Schmiedekunst tibetischer Messer ist ein weiterer bedeutender Schatz des immateriellen Kulturerbes in Lhazê. Um dieses Handwerk zu bewahren und weiterzugeben, setzt das Dorf gezielt auf die Vorbildfunktion zweier erfahrener Meister des immateriellen Kulturerbes. Sie nehmen regelmäßig Lehrlinge auf und vermitteln ihnen vorbehaltlos die wichtigsten Arbeitsschritte – vom Schmieden über das Schleifen bis zum Gravieren. Insgesamt wurden bereits fünf junge Nachwuchskräfte ausgebildet. So konnte der drohenden Unterbrechung der handwerklichen Überlieferung wirksam entgegengewirkt werden, und die Zahl qualifizierter Handwerker vor Ort wächst weiter.

Pudawa, Träger der traditionellen Schmiedekunst tibetischer Messer in Lhazê, stellt tibetische Messer vor

Pudawa schmiedet tibetische Messer in der Werkstatt
Die Handwerker halten an überlieferten Schmiedeverfahren und strengen Qualitätsmaßstäben fest, richten ihre Erzeugnisse aber zugleich stärker an der Marktnachfrage aus. Sie verfeinern die Gestaltung und entwickeln neue Produktarten, sodass tibetische Messer nicht mehr nur als Gebrauchsgegenstände dienen, sondern zunehmend auch als Kunsthandwerks- und Sammlerobjekte angeboten werden. Gleichzeitig stärken sie den Vertrieb sowohl über Online-Shops als auch über Ladengeschäfte. Dadurch gewinnen die handgefertigten Erzeugnisse des immateriellen Kulturerbes stetig an Bekanntheit und Wettbewerbsfähigkeit. Die auf tibetische Messer spezialisierte Genossenschaft des Dorfes Lhazê stellt derzeit jährlich mehr als 500 solcher Handwerksprodukte her; ihr jährlicher Produktionswert übersteigt 450.000 Yuan. Sie bietet sieben Dorfbewohnern dauerhaft Beschäftigung und ermöglicht dabei eine durchschnittliche Einkommenssteigerung von mehr als 25.000 Yuan pro Jahr. Die überlieferte Handwerkskunst gewinnt durch ihre Weitergabe neue Lebenskraft und entwickelt sich zu einem charakteristischen Wirtschaftszweig, der den Einwohnern dauerhaft höhere Einkommen ermöglicht.

Ein Handwerker zeichnet Linien vor und fertigt erste Skizzen auf einer Messerscheide an

Pudawa erläutert seinem Sohn die Verzierungen auf der Messerscheide
Vom Klappern der Webstühle in den Familienwerkstätten über Gesang und Gelächter bei Duixie-Aufführungen bis hin zur sorgfältigen Weitergabe der Schmiedekunst am Feuer: Die drei charakteristischen Wirtschaftszweige von Lhazê bringen jeweils ihre Stärken ein und ergänzen einander. So entfaltet sich nach und nach das lebendige Bild eines Dorfes, in dem die Wirtschaft floriert, die Menschen zu Wohlstand kommen und die kulturellen Traditionen fortleben.