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[Glanz Xizangs] Sechshundert Jahre Tibetische Oper: Wie diese Kunst des Schneelands mit China zusammenhängt

06-07-2026 15:53
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Unter dem Klang von Trommeln und Becken wandeln sich die bemalten Masken, während die langgezogenen Gesänge die schneebedeckten Berge durchdringen. Die Ursprünge der Tibetischen Oper reichen bis ins 8. Jahrhundert zurück, als sie sich aus religiösen Ritualen des Schneelands entwickelte. Über sechshundert Jahre hinweg hat es sich zu einem ausgereiften dramatischen System geformt, das auf dem Hochplateau erklungen ist. Die Menschen sind beeindruckt von seinen kostbaren Gewändern und urtümlichen Ausdrucksformen, doch selten dringen sie tiefer vor:

Welchen Stellenwert nimmt diese alte Kunst in der chinesischen Kulturlandschaft tatsächlich ein? Und wie viele Verbindungslinien, die tief mit der Gemeinschaft der chinesischen Nation verwoben sind, fließen in ihrem Blut?

Wir haben kürzlich Zhou Qi befragt, außerordentlichen Forscher am Institut für Chinesische Musikakademie der Chinesischen Musikhochschule und Parteisekretär der Operngesellschaft der Provinz Gansu. Anhand der überlieferten Spieltexte und der Traditionslinien der Tibetischen Oper lässt sich das kulturelle Gewicht dieser Schneeland-Kunst über Jahrhunderte hinweg ermessen.

Eine „Theater-Landschaft“ auf dem Hochplateau: ein kulturelles Volumen, das weit über das Bekannte hinausgeht

„Der wertvollste und zugleich am meisten unterschätzte Wert der Tibetischen Oper liegt darin, dass sie ein vollständiges und in sich geschlossenes dramatisches System darstellt.“ In den festgefahrenen Vorstellungen mancher Menschen ist die Tibetische Oper nichts weiter als eine kleine regionale Theaterform, die in einer abgelegenen Ecke des Schneelands beheimatet ist, eigenwillig, einzigartig, aber kaum von nennenswertem Umfang. Zhou Qi jedoch eröffnete das Gespräch mit genau dieser klaren Feststellung.

„Die uns vertrauten Formen wie Pekingoper und Kunqu-Oper sind aus einer einzigen Gattung hervorgegangen und haben verschiedene Schulen hervorgebracht. Gesangsstile und Bühnengesetze bleiben stets derselben Wurzel verbunden. Die Tibetische Oper gleicht dagegen einem großen Strom, der im Hochland entspringt. Mit ihren drei Hauptarmen U-Tsang, Amdo und Kham hat sie in unterschiedlichen Regionen Dutzende eigenständige Theatergattungen hervorgebracht und schließlich ein verzweigtes Gattungsökosystem geformt. Eine solch systematisierte Theaterökologie ist in der Geschichte der chinesischen Opernkunst einzigartig und stellt selbst in der weltweiten Landschaft des immateriellen Kulturerbes ein lebendiges Unikum dar.“

Was das künstlerische Niveau angeht, kann die Tibetische Oper durchaus mit der Kunqu-Oper und der Pekingoper auf Augenhöhe stehen. Die drei Stile unterscheiden sich im künstlerischen Profil, aber alle gehören zu den reinsten und klassischsten Vertretern der chinesischen Opernkunst und sind hervorragende Träger, um Chinas kulturelle Substanz in die Welt zu tragen. Dass die vollständige Überlieferungskette der Tibetischen Oper bis heute erhalten blieb, ist ohne jahrzehntelange staatliche Kulturförderung nicht denkbar.

Zhou Qi bemerkte mit Nachdruck, dass viele kleine Theatergattungen längst mit dem Tod alter Künstler in der Geschichte verschwunden wären, hätte man sie ihrer natürlichen Entwicklung überlassen. Gerade diese vollständige Bewahrung selbst ist zweifellos ein lebendiger Ausdruck des chinesischen Systems zum Schutz des immateriellen Kulturerbes.

Im Gesang der Spieltexte: eine von Anfang an angelegte chinesische Grundfarbe

Die Tibetische Oper hat sich bis heute stets um drei Stränge entwickelt: nationale Geschichte, nationaler Glaube und nationale Epen. Für Zhou Qi sind diese drei Traditionslinien niemals alleinige kulturelle Symbole der Tibeter, sondern vielmehr ein Abbild der Einheit in der Vielfalt der chinesischen Zivilisation.

Auf der Bühne wird die Geschichte von Songtsen Gampo und Prinzessin Wencheng seit Generationen immer wieder gesungen.

Die frühen Stücke priesen oft die Verdienste der Herrscher des Schneelands. Im Laufe jahrhundertelanger Bearbeitung und Entwicklung hat diese Erzählung längst die Grenzen einer einzelnen Region überschritten und ist zur gemeinsamen Erinnerung aller ethnischen Gruppen an kulturellen Austausch und zivilisatorische Wechselseitigkeit geworden.

Zhou Qi sagte: „Die Gestalten von Songtsen Gampo und Trisong Detsen auf der Bühne sind niemals ausschließlich Tibetische historische Persönlichkeiten, sondern herausragende Gestalten in den Annalen der gesamten chinesischen Nation. Die Spieltexte berichten vom Verkehr auf der alten Straße zwischen der Tang Dynastie und Tubo und von den freundschaftlichen Heiratsverbindungen. Nach innen erzählen sie von der jahrhundertealten herzlichen Verbundenheit aller Völker, nach außen vermitteln sie den östlichen Geist der friedvollen Koexistenz. Das hat denselben Kern wie heutige Mainstream-Werke, denn sie alle schreiben gemeinsam an der glanzvollen Geschichte Chinas.“

Manche Zuschauer fragen sich, ob Stücke wie die „Geschichte des Prinzen Norsang“, die auf buddhistischen Klassikern beruhen, nicht eine schwer zugängliche regionale Prägung besäßen.

Zhou Qi zieht ein bekanntes Beispiel heran: Das klassische Tanzdrama „Der neunfarbige Hirsch“ basiert ebenfalls auf Geschichten von den früheren Leben des Buddha. Nachdem der Buddhismus nach China gekommen war und über Jahrhunderte eine einheimische Verschmelzung erfahren hatte, ist er längst ein untrennbarer Bestandteil der chinesischen Zivilisation. Der Kern dieser Tibetischen Operstücke, der Wahrheit, Güte und Schönheit preist, für Gleichheit und Hingabe eintritt und zum Guten und zur Nächstenliebe mahnt, ist eine universelle Moral, die über Ethnien und Zeiten hinweg gilt und völlig mit den sozialistischen Kernwerten übereinstimmt. In der heutigen hektischen Zeit kann gerade diese milde und wohltuende geistige Kraft die Herzen der Menschen beruhigen und ihnen durch die Gesänge die einfachen Wahrheiten von Frieden im Haus, Schutz des Landes und Dienst am Volk verständlich machen.

Besonders hervorzuheben ist die epische Tradition in der Tibetischen Oper.

Westliche Gelehrte behaupteten einst pauschal, China habe kein Epos. Doch blickt man aus der Gesamtperspektive der sechsundfünfzig ethnischen Gruppen Chinas, so erweist sich der epische Reichtum der chinesischen Zivilisation als weit größer als gedacht. Das Tibetische Gesar-Epos, das kirgisische Manas-Epos und die mündlichen Epen der südwestlichen Völker bilden zusammen einen gewaltigen Strom chinesischer Epik, der durchaus mit den Mythen des Klassikers der Berge und Meere mithalten kann. Zhou Qi merkte an, dass bisher noch wenige Tibetische Operstücke auf der Grundlage des Gesar-Epos entstanden sind, genau dies aber ein hervorragender Ansatzpunkt wäre, um die Tibetische Oper in die Welt zu tragen.

Alter Klang in neuem Gewand: zeitgenössische Töne in den alten Gesängen

Die Tibetische Oper hat seit jeher große Geschichte und große Ereignisse behandelt; der ihr innewohnende Geist der Vaterlandsliebe befähigt sie auf natürliche Weise, zeitgenössische Erzählungen aufzunehmen.

Zur gegenwärtigen Entwicklung der Tibetischen Oper meint Zhou Qi, dass zwei Wege entscheidend seien: erstens die Bewahrung der traditionellen Wurzeln und die geistige Transformation, zweitens die Verankerung im gegenwärtigen Leben und das Schreiben von Geschichten unserer Zeit.

„Die Tibetische Oper muss sowohl hinausgehen als auch Wurzeln schlagen“, erläuterte Zhou Qi. Nach außen hin könnten nicht nur die traditionellen Klassiker auf Tournee gehen, sondern auch neu geschaffene Stücke, die sich mit dem gemeinsamen Kulturerbe der Menschheit befassen, etwa über die Instandsetzung des Potala Palastes. Sie bergen wenig kulturelle Fremdheit und finden leicht internationale Resonanz. Nach innen sollte die Tibetische Oper häufiger in anderen Provinzen und Städten gastieren. Das wäre zum einen eine kulturelle Rückgabe im Rahmen der Unterstützung Xizangs, zum anderen könnte es die seelische Nähe zwischen allen Völkern vertiefen.

Sechshundert Jahre erklingen Trommeln und Becken, die Gesänge der Tibetischen Oper ziehen über Schneetäler und Gipfel hinweg und münden in den gewaltigen Strom der chinesischen Zivilisation.

Verwurzelt im Schneeland, der Seele nach mit China verbunden, lässt diese alte Bühne im Klang der neuen Zeit ein langes kulturelles Echo erklingen.

Redakteur: Krystal Zhang