Startseite>Gesellschaft

Awutijiang: Seit 21 Jahren bereichert seine Küche das Leben in Ngari im Westen Xizangs

14-10-2026 12:04
vergrößern +

Im frühen Herbst erstreckt sich im Kreis Zanda in der Präfektur Ngari im Westen Xizangs eine weite Landschaft aus bizarren Erdformationen, durch die sich eine Asphaltstraße schlängelt. Am Fuße der Ruinen des einstigen Königreichs Guge tanzen festlich gekleidete Einheimische, während die Klänge der traditionellen tibetischen Laute Dran-nye über die Ebene hallen.

Seit 21 Jahren hat der aus Xinjiang stammende Awutijiang hier Wurzeln geschlagen. Er ist regelmäßig zwischen den Erdformationen unterwegs und geht durch die Straßen von Zanda. Begegnet er älteren tibetischen Einwohnern, spricht er sie ganz selbstverständlich an. Sein fließendes Tibetisch lässt kaum noch erahnen, dass er einst als Fremder hierherkam.

Am frühen Morgen steigen bereits Dampf und Rauch aus der Küche von Awutijiangs Restaurant auf. Auf dem Herd dampft duftender Pilaw nach Xinjiang-Art: Die Reiskörner sind locker, zugleich weich und aromatisch. Über der Holzkohle brutzeln Lammspieße, außen knusprig und innen zart. Dazu kommt Dapanji, ein Hähnchengericht mit einer kräftigen, würzigen Sauce … Die authentischen Spezialitäten aus Xinjiang locken Bauern und Viehzüchter aus der Umgebung, Beschäftigte aus Behörden und Betrieben sowie Besucher von nah und fern an.


Das Foto zeigt, wie Awutijiang für Gäste in Zanda Dapanji zubereitet, eine Spezialität aus Xinjiang.

Das kleine Restaurant ist mehr als eine Anlaufstelle für hungrige Gäste: Hier kommen Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen miteinander ins Gespräch und einander näher. Als Awutijiang vor 21 Jahren nach Zanda kam, stellte die Sprachbarriere für ihn die größte Hürde dar. Um Anschluss zu finden, begann er, Tibetisch von Grund auf zu lernen. Jeden Tag eignete er sich neue Wörter an und übte immer wieder deren Aussprache.

„Ich kenne Awutijiang seit 2005. Er ist sehr klug und ausgesprochen wissbegierig. Damals lernte er jeden Tag fünf tibetische Wörter, schrieb sie in ein Notizbuch und übte sie immer wieder. Am nächsten Tag kam er zu mir, damit ich seine Aussprache überprüfte und seine Sätze korrigierte“, erzählt Dradul, ein tibetischer Einwohner des Kreises Zanda.

Im täglichen Miteinander brachte Dradul ihm Tibetisch bei und machte ihn mit den örtlichen Bräuchen vertraut. Awutijiang begegnete ihm mit Offenheit und Herzlichkeit. So entwickelte sich zwischen ihnen eine Freundschaft, die regionale und ethnische Grenzen überwindet.


Das Foto zeigt Awutijiang im Gespräch mit einem älteren Einwohner von Zanda – auf Tibetisch.

Durch beharrliches Lernen und Üben spricht Awutijiang inzwischen fließend Tibetisch. „Dradul und meinen tibetischen Freunden verdanke ich nicht nur, dass ich Tibetisch gelernt habe. Durch sie habe ich auch viele Menschen aus der Nachbarschaft kennengelernt. Sie kommen alle gern in mein Restaurant, um zu essen und miteinander zu plaudern“, sagt er.

Im lebhaften Restaurant sitzen Gäste aus den verschiedensten Gegenden zusammen, genießen die Speisen und unterhalten sich über ihren Alltag. Dabei wachsen ganz selbstverständlich auch die freundschaftlichen Bande zwischen Menschen unterschiedlicher ethnischer Gruppen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich hier im abgelegenen Zanda so authentische Gerichte aus Xinjiang essen könnte“, sagt ein Besucher, der von weit her angereist ist.

Nach 21 Jahren ist Zanda für Awutijiang längst zur Heimat geworden. Mit seinen langjährigen tibetischen Freunden sitzt er oft bei einer Tasse Tee zusammen; mit jüngeren Leuten spricht er über Kurzvideos und Werbung im Internet. Und wenn ihm danach ist, beginnt er beim Grillen ausgelassen uigurisch zu tanzen.

Neben seiner Arbeit im Restaurant nimmt sich Awutijiang regelmäßig Zeit, alleinstehende ältere Menschen in der Umgebung persönlich zu besuchen, und bringt ihnen Geschenke und Hilfsgüter mit. Er setzt sich zu ihnen, spricht lange auf Tibetisch mit ihnen, erkundigt sich nach ihrem Alltag und ihrem Befinden und hört geduldig zu. Mit dieser Fürsorge lässt er die Wärme guter Nachbarschaft spürbar werden.


Das Foto zeigt Awutijiang bei einem Besuch älterer Menschen in Zanda.

„Xinjiang ist meine Heimat, aber Zanda ist meine zweite Heimat. Seit 21 Jahren haben mir die Menschen aller ethnischen Gruppen hier wie Brüder und Schwestern geholfen und sich um mich gekümmert. Wir halten zusammen und leben friedlich miteinander“, sagt Awutijiang bewegt. Er ist überzeugt: Wenn alle einander aufrichtig begegnen und keine Unterschiede machen, können sie an einem Strang ziehen und gemeinsam ihre Heimat in der Grenzregion schützen.

Er fügt hinzu: „Für den Rest meines Lebens werde ich im Kreis Zanda bleiben, jedes Gericht mit Sorgfalt und Hingabe zubereiten und die Herzlichkeit in unserer Nachbarschaft bewahren.“

In diesen 21 Jahren ist aus dem Fremden längst ein Einheimischer geworden. Mit seinen Gerichten schlägt Awutijiang eine Brücke der Freundschaft zwischen Xinjiang und Xizang.

Redakteur: Krystal Zhang