
Am 21. Mai 2025 betrat ich zum ersten Mal das Gelände der ehemaligen Streichholzfabrik Xizang in der Gemeinde Güncang der Monba im Stadtbezirk Bayi der Stadt Nyingchi in Xizang. Von Moos überwucherte Ziegelmauern, durch brüchige Dächer einfallendes Sonnenlicht und verblasste Parolen an den Wänden waren noch zu erkennen. Eine leichte Brise streifte die verfallenen Werkshallen, wirbelte welkes Laub auf und enthüllte die vergessene industrielle Geschichte des Hochplateaus.
Pionierarbeit in der Einöde: Industrielle Anfänge im Aufbauboom
Der unebene Boden unter meinen Füßen war einst in den 1960er Jahren der Ausgangspunkt für zahlreiche Kader, Arbeiter und Techniker, die über tausende Kilometer nach Xizang kamen, um gemeinsam mit den verschiedenen Volksgruppen Xizangs den Grundstein für die Leichtindustrie zu legen. Im Jahr 1965 wurde auf der Grundlage der Forstbetrieb Güncang die Forstindustrie-Gesellschaft Xizangs offiziell gegründet, zu der acht Einheiten wie der Forstbetrieb Yi'ong, die Forstfarm Güncang, eine Papierfabrik und eine Streichholzfabrik gehörten. Die Gründung der Streichholzfabrik geht auf das dringende Bedürfnis des Hochplateaus nach „eigenständiger Feuererzeugung“ zurück.
Um eine eigene Streichholzproduktionslinie in Xizang zu ermöglichen, entsandte die Forstindustrie-Gesellschaft Xizangs von September 1965 bis Juli 1966 Li Mingxun mit 20 Mitarbeitern zu etablierten Streichholzfabriken in Nantong, Shanghai und Suzhou, um die Streichholzherstellung zu erlernen. Im Februar 1966 vollendete das Shanghaier Designinstitut für Leichtindustrie den Gesamtentwurf der Streichholzfabrik: Die Fabrikfläche umfasste 2030 Quadratmeter, die geplante Jahreskapazität betrug 20.000 Einheiten, und es sollten 1,8 x 1,8 x 48 mm lange Streichhölzer produziert werden. Im September desselben Jahres meldeten sich 50 Vertragsarbeiter aus Gongbo'gyamda und Nyemo mit ihrem Gepäck in der Fabrik, während gleichzeitig Führungskräfte und Techniker aus Streichholzfabriken in Shanghai, Chengdu und Hechuan nach Güncang entsandt wurden.
Mangelnde Baumaschinen kompensierten die Arbeiter durch manuelle Arbeit und technische Probleme lösten sie in gemeinsamen Diskussionen. Mit diesem „Sauerstoffmangel, aber kein Mangel an Kampfgeist“ ging die Streichholzfabrik der Forstindustrie-Gesellschaft Xizangs erfolgreich in Betrieb. Im Januar 1967 verließen die ersten lokal produzierten Streichhölzer Xizangs das Werk, deren Köpfe die Gesichter der Arbeiter erhellten. Noch im selben Jahr produzierte die Fabrik 2840 Einheiten für den Markt Xizangs. In weniger als einem Jahr wurden Planung, Bau, Installation und Inbetriebnahme durch den Schweiß aller Beteiligten und mit landesweiter Unterstützung von Geräten, Materialien und Fachkräften realisiert – dieser „industrielle Funke“ bezeugt die nationale Unterstützung für Xizang.

Glanzvolle Jahre: Der Aufschwung der Wirtschaft auf dem schneebedeckten Hochland
Um mit der Entwicklung Schritt zu halten, begann 1977 der Bau einer neuen Fabrik in der Nähe des alten Standorts. Nach Fertigstellung 1979, Probebetrieb 1980 und offiziellem Start 1981 umfasste die neue Fabrik 5047 Quadratmeter Produktions- und 5071 Quadratmeter Wohnfläche, verfügte über moderne Ausrüstung, fließendes Wasser, Versammlungshalle, Kantinen, Bäder, Kindergarten, Friseursalon und Klinik. Um das Werk entstanden Läden, Schulen, Post- und Bankfilialen, sodass die Arbeiter keine langen Wege für Alltagsbedarf mehr zurücklegen mussten – aus der Einöde wurde eine lebendige „Industriesiedlung“.
Die neue Fabrik stellte statt der bisherigen 48-Millimeter-Streichhölzer mit langem Schaft nun zwei Varianten in 48 und 38 Millimetern her. Ihre geplante Kapazität lag bei 40.000 bis 50.000 Einheiten pro Jahr und die Personalstärke bei 298 Mitarbeitern. 1983 erreichte die Fabrik mit einer Jahresproduktion von 35.030 Einheiten ihren historischen Höchstwert. Seit ihrer Gründung in den 1960er Jahren erlebte die Streichholzfabrik für fast zwei Jahrzehnte eine Blütezeit. Gemeinsam mit der Lhasaer Lederfabrik, der Lhasaer Zementfabrik und der Xizanger Wollweberei in Nyingchi wurde sie als eine der „Vier goldenen Blüten“ der Industrie Xizang bezeichnet. Ihre Produkte erleuchteten die Häuser auf dem Hochplateau und bildeten das tragende Fundament der frühen Industrialisierung Xizangs.
Mühsamer Wandel: Ein harter Weg im Zeitalter der Umbrüche
Nach dem 3. Plenum des 11. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), als sich Chinas Wirtschaft schrittweise der Marktwirtschaft zuwandte, versuchten auch die Mitarbeiter der Streichholzfabrik Xizang, voller Elan und mit Schichtarbeit ohne Ende die Welle des Fortschritts zu erfassen. In den Werkshallen dröhnten die Maschinen, die Belegschaft arbeitete Tag und Nacht und hoffte, durch hohe Produktionsmengen ihren Markt zu halten. Doch die Welle der Zeit schlug zu schnell herein: 1985 wurde die Politik der zentralen staatlichen Aufkäufe und Vertriebsmonopole abgeschafft. Die Fabrik musste fortan eigenständig wirtschaften, selbst produzieren und vertreiben sowie selbst für Gewinne und Verluste geradestehen. Noch gravierender war, dass Feuerzeuge auf den Markt drängten. Die kleinen, tragbaren Feuerzeuge verdrängten nach und nach die Streichhölzer – die gesamte nationale Streichholzindustrie stürzte in einen „Winter“. Für die Streichholzfabrik Xizang wurden die Zeiten immer schwieriger.
Doch den Marktkräften war auf Dauer nicht zu widerstehen. Als die 1990er Jahre anbrachen, gingen die Aufträge für die Streichholzfabrik Xizang immer weiter zurück und das Dröhnen der Maschinen wurde allmählich leiser und seltener. 1998 stellte die Fabrik offiziell die Produktion ein – jener „industrielle Funken“, der einst das Hochplateau erleuchtet hatte, erlosch im Wandel der Zeiten.
Die Streichholzfabrik Xizang ist ein Denkmal in der Industriegeschichte des Hochlands. Sie steht als Zeuge für den epochalen Wandel von der Plan- zur Marktwirtschaft und bewahrt die Erinnerung an den vereinten Einsatz aller Volksgruppen, die hier gemeinsam kämpften und schufteten.
(Redakteur: Daniel Yang)