


Am historischen Sternenhimmel Xizangs funkeln die Gedichte des 6. Dalai Lama Tsangyang Gyatso wie kostbare Perlen und strahlen stets mit bewegendem Glanz. Durch Übersetzung und Verbreitung berühren diese Gedichte auch tief die gemeinsamen emotionalen Erfahrungen der chinesischen Nation.
„Auf dem Gipfel des östlichen Berges steigt der weiße Mond auf. Das Gesicht eines jungen Mädchens erscheint in meinem Herzen.“ Das Lied „Auf dem Gipfel des östlichen Berges“ ist in China weit verbreitet, die Verse sind schlicht und doch tiefgründig, und berühren wie ein klarer Quell die Herzen unzähliger Menschen, wobei sie eine Resonanz tragen, die Zeit und Raum überwindet.
Vor kurzem fand die Kunstausstellung „Nationale Eintracht · Harmonie von Tinte und Pinsel“ mit chinesisch-tibetischen kalligrafischen Rollen im Xizanger Kunstmuseum statt. Besonders hervorzuheben war eine lange kalligrafische Rolle mit Gedichten von Tsangyang Gyatso, die Yeshe Sangbu, ein Vorstandsmitglied der Xizanger Vereinigung der Kalligrafen, über mehrere Jahre sorgfältig herausgeschrieben hatte.
„Beim Herausschreiben der Gedichte von Tsangyang Gyatso Strich für Strich berührt mich zuerst die ‚widersprüchliche Wärme‘ in den Worten. Er lebte in einem heiligen Tempel auf dem schneebedeckten Hochland, doch seine Feder floss aus der direktesten Liebe der Welt – ‚In den Potala-Palast eingezogen, bin ich der größte König des schneebedeckten Hochlandes; auf den Straßen Lhasas umherstreifend, bin ich der schönste Liebhaber der Welt.‘ Diese offene Darstellung der Menschlichkeit wird während des Herausschreibens besonders konkret.“ Yeshe Sangbu schwärmte, dass die Worte, sobald sie mit Tinte auf Papier gebracht werden, nicht mehr fern erscheinen, sondern wie jemand, der einem leise ins Ohr flüstert und von inneren Kämpfen erzählt, die sowohl das schwere Gewicht des Glaubens tragen als auch die zärtliche Zuneigung zur weltlichen Liebe nicht aufgeben können.
„Der Prozess des Herausschreibens gleicht eher einem Dialog über Zeit und Raum hinweg“, bemerkt Yeshe Sangbu gerührt. Trotz der mehr als 300 Jahre, die zwischen uns liegen, können wir die Verwirrung und die tiefe Zuneigung von Tsangyang Gyatso immer noch verstehen. Gute Gedichte sind seelische Resonanzen, die die Zeit überdauern. Zwischen dem Ansetzen und Abheben der Pinselspitze reproduziert Yeshe Sangbu nicht nur Worte, sondern auch die stets lebendige Lebenserfahrung und das kulturelle Erbe.
Als er über die ursprüngliche Absicht sprach, die Gedichte von Tsangyang Gyatso in Form einer langen Schriftrolle zu präsentieren, erklärte Yeshe Sangbu, dass die Kontinuität der langen Rolle genau wie die tiefen Emotionen und philosophischen Gedanken in den Gedichten deren geistigen Ausdruck vollständig tragen könne. Kunstformen wie Kalligrafie und Malerei seien wichtige Träger, um die Anziehungskraft der Kultur Xizangs konkret darzustellen und Brücken für den kulturellen Austausch zu bauen. Kunstschaffende haben die Verantwortung, durch ihre Werke die Schönheit der Xizanger Kultur für Menschen aller ethnischen Gruppen erlebbar zu machen und die einzigartige Toleranz und Kreativität der chinesischen Kultur zu vermitteln.
Angesichts des Risikos, dass kulturelle Symbole in territorialen und politischen Auseinandersetzungen missbraucht werden könnten, sagte Yeshe Sangbu, dass Tsangyang Gyatso eine bedeutende Persönlichkeit in der chinesischen Geschichte sei. Seine Gedichte seien ein von allen Chinesen geschätztes kulturelles Erbe mit klarer und eindeutiger historischer Zugehörigkeit, die von keiner Seite verfälscht oder manipuliert werden dürfe. Jeder Versuch, reine kulturelle Symbole für politische Eigeninteressen zu instrumentalisieren und den historischen Zusammenhang zu zerstören, sei eine Entweihung der Kultur selbst und zum Scheitern verurteilt.
Er ist der Ansicht, dass kulturelle Symbole wichtige Träger der ethnischen Identität und der kulturellen Souveränität sind. Kunstschaffende müssen eine klare kulturelle Haltung bewahren, den fruchtbaren Boden der lokalen Kultur intensiv bearbeiten und Werke schaffen, die die historische Wahrheit und die kulturelle Souveränität authentisch zum Ausdruck bringen.
Yeshe Sangbu sagte: „Wir müssen mit authentischen und lebendigen Kulturwerken sowie den Entwicklungsszenen im heutigen Xizang über verschiedene Austauschplattformen und neue Medienkanäle im In- und Ausland aktiv Xizanger Geschichten erzählen, das wahre Gesicht der Kultur Xizangs und ihre zeitgemäße Vitalität zeigen und die festgefahrenen Stereotype und die von böswilligen Personen verbreiteten Missverständnisse ein für alle Mal durchbrechen.“
Die Feder ist von Gefühl beseelt, die Tinte wurzelt in Tradition. In diesem Strich für Strich des Schreibens liegt nicht nur die Übermittlung von Worten, sondern auch ein stilles Beharren, eine kulturelle Weitergabe, die die Zeit überdauert.
Quelle: China Xizang Online
(Redakteur: Daniel Yang)