Kultur>Aktuelles

„Post-00er“-Designer für tibetische Trachten Paljor Tendar:Mit Kleidung tibetische Geschichten erzählen

20-05-2026 16:36
vergrößern +

Ein „Post-00er“ Master-Absolvent im Fach Museumskunde und Archäologie bringt tibetische Tracht auf die Chinesische Internationale Modewoche. Diese etwas ungewöhnliche Geschichte handelt von einem jungen Mann namens Paljor Tendar. Kürzlich präsentierte er sieben Kostüme, die traditionelles tibetisches Handwerk mit moderner Ästhetik verbinden, bei der großen Schau "Kangrin Drolkar · Guo Rongrong Modenschau" der Chinesischen Internationalen Modewoche (Frühjahr 2026). Zuvor waren seine Entwürfe bereits auf dem Lhasa-Bühnenbild des Frühlingsfestgalas 2025 von CCTV, sowie auf den tibetischen Neujahrsfestgala 2025 und 2026 zu sehen.

„Sowohl mein Bachelor als auch mein Masterstudium absolvierte ich im Fach Museumskunde mit dem Schwerpunkt Tibetische Kunstarchäologie. Diesen kreativen Weg bin ich einzig aus Leidenschaft gegangen. Zusammen mit Kollegen, die mich entdeckten und begleiteten, bin ich Schritt für Schritt bis heute gekommen.“

Paljor Tendar wuchs in Shigatse auf. In dieser Region sind Kleidung, Bräuche, Tanz, Musik und Literatur zu einer reichen kulturellen Atmosphäre verwoben, in die er von klein auf eintauchte und so die vielfältige traditionelle tibetische Kultur kennenlernte.

Seine Urgroßmutter, Großeltern beiderseits der Familie waren seine ersten kulturellen Lehrmeister. Als Kind nahmen ihn die Älteren mit alten tibetischen Kleidungsstücken, zeigten ihm verschiedene Stoffe, Farbkombinationen und erzählten ihm die Geschichten hinter den einzelnen Mustern. Mit drei Jahren begeisterte er sich für die Tibet-Oper. Für ihn ist diese seit Jahrtausenden überlieferte Kunst eine Enzyklopädie der tibetischen Kultur: Geburt, Leben, Alter und Tod – all das findet sich in Gesang, Rezitation und den kunstvollen Mustern und Farben der Theaterkostüme.

Diese frühe Prägung und Leidenschaft ließen ihn zum Zeichenstift greifen. Ohne systematische Fachausbildung brachte er sich das Zeichnen selbst bei. Seine Motive waren von Anfang an ausschließlich der traditionellen tibetischen Kultur gewidmet.

„Nachdem ich an der Universität war, hatte ich mehr Zeit, meine Zeichentechnik und meinen Stil zu verfeinern. Dabei entdeckte ich, dass vieles von der traditionellen Trachtenkultur vom Verschwinden bedroht ist“, sagte Paljor Tendar. „Die Formen, Farben, Verarbeitung der tibetischen Trachten variieren je nach Region und Epoche. Doch davon wissen junge Leute immer weniger. Ich dachte mir, könnte ich es nicht nur auf dem Zeichenpapier malen, sondern daraus echte, greifbare Kleidung machen, die man anfassen, anziehen und deren Schönheit man wirklich sehen kann.“

„Um 2020 herum begann ich, traditionelle Kleidung mit der Hand anzufertigen“, erzählte Paljor Tendar. Viele in seinem Umfeld verstanden ihn nicht, hielten es für Geldverschwendung. „Aber weil es meine wahre Leidenschaft ist, war ich bereit, mich einzuschränken, um meine Ideen zu verwirklichen.“

Der Wendepunkt in Paljor Tendars Leben kam mit der Frühlingsfestgala 2025 von CCTV in Lhasa.

Dort entdeckte Nyima Drolkar vom tibetischen Fernsehen über Paljor Tendars Douyin-Konto die Arbeiten des jungen Mannes.Anders als die auf dem Markt erhältlichen, klickorientierten Modeerscheinungen tibetischer Kleidung, zeichnen sich seine Werke durch fundierte Quellenarbeit und präzise Rekonstruktion der traditionellen Formen aus, vereinen aber gleichzeitig innovative Ausdrucksformen, die dem zeitgenössischen ästhetischen Empfinden entsprechen.

Daraufhin empfahl Nyima Drolkar ihn persönlich als Designer für die Bühnenkostüme von Zhu Xun und Liu Tao bei der Frühlingsfestgala. Danach folgten Aufträge für bedeutende Anlässe: Für die tibetische Neujahrsgala 2026 entwarf er neun der zwölf gezeigten Kostüme; und zur Frühjahrsmodezeit 2026 präsentierte er sieben Arbeiten auf der Chinesischen Internationalen Modewoche.

Drei zentrale Werke seiner Show sind lebendige Beispiele dafür, wie er „mit Kleidung tibetische Geschichten erzählt“:

Ein Kostüm, inspiriert von der Farbgebung der Thangka-Malerei, zeigt die Farbenpracht der tibetischen Malerei. Ein weiteres Kostüm greift die roten Säulen und goldenen Verzierungen der alten Hofgebäude in der Barkhor-Gasse auf und lässt die tausendjährige Geschichte der historischen Stadt Lhasa wieder aufleben. Und ein drittes Kostüm ist eine festliche Tracht aus Shigatse, die die traditionelle Form vollständig bewahrt, mit Weiß und Blau als Hauptfarbtönen, als ob man die schneebedeckten Gipfel und fließenden Wolken des Mount Everest am Körper trüge.

„Ich möchte auf diese Weise Zuschauern im In- und Ausland ermöglichen, in tibetischer Kleidung die Berge, Flüsse, die Malerei und Architektur Xizangs zu sehen und eine facettenreichere Kultur Xizangs zu verstehen.“

Abseits des Rampenlichts nutzt Paljor Tendar auch die Medien, die seiner Generation vertraut sind, um die tibetische Trachtenkultur in den Alltag zu bringen. Er betreibt eigene Social Media Accounts mit insgesamt über 30.000 Followern. Dort erzählt er von der kulturellen Entwicklung der Kostüme, teilt die Rekonstruktion alter Kleidungsstücke und erklärt die bedeutungsvollen Geschichten hinter den einzelnen Mustern.

Der junge Mann, der gerade erst auf der internationalen Bühne Fuß fasst, hat klare Pläne für seine Zukunft. Er gibt offen zu, dass er noch Wissenslücken hat. Er möchte promovieren, um systematischer und akademischer die traditionelle tibetische Kleidung und Kunstkultur zu erforschen.

„Neben der Anfertigung von handwerklichen Objekten hoffe ich, auch wissenschaftliche Arbeiten und Bücher zu veröffentlichen, um auf diese beständigere Weise die tibetische Kultur weiterzugeben“, sagte Paljor Tendar.