


Im Gesundheitszentrum der Gemeinde Bujiu im Stadtbezirk Bayi der Stadt Nyingchi bringt Tang Chunxia, eine junge Han-Chinesin der Generation der 90er Jahre, durch ihr elfjähriges Engagement das Licht der Gesundheit in jedes Dorf und jeden Haushalt der Gemeinde Bujiu.
„A-jia, bitte tragen Sie sich mit diesem Formular ein. Nach der Anmeldung können Sie dort Ihren Blutdruck messen lassen. Wenn hier zu viele Leute sind, gehen Sie bitte erst einmal nach drinnen, dort können Sie ein EKG und eine Ultraschalluntersuchung machen lassen.“ Mit fließendem Tibetisch gab Tang Chunxia der tibetischen Frau, die zur Untersuchung gekommen war, geduldig Anweisungen. Die Fremdheit und Zurückhaltung in den Augen der Patientin verwandelten sich in dem Moment, in dem sie den Mund öffnete, in ein beruhigtes Lächeln.
Im Jahr 2014 kam Tang Chunxia direkt nach ihrem Schulabschluss nach Bujiu. Damals musste sie sich bei der Untersuchung mit Gesten verständigen und ihre Anweisungen von einem Dolmetscher übersetzen lassen – die grundlegendste Kommunikation war die größte Hürde.
Die Sprachbarriere war einst die weiteste Entfernung in der medizinischen Grundversorgung. Doch diese junge Han-Chinesin entschied sich für den direktesten und aufrichtigsten Weg: Sie lernte Tibetisch. In der Basisgesundheitsversorgung geht es zwischen Arzt und Patient nie nur um die medizinische Behandlung, sondern vielmehr um die Annäherung von Herz zu Herz. Sobald sie im Alltag Zeit fand, holte Tang Chunxia ihr Tibetischbuch hervor und arbeitete sich Wort für Wort durch den Text. Stieß sie auf ein Wort, das sie nicht kannte, zog sie sofort einen tibetischen Kollegen zurate und fragte ihn.
Tang Chunxia führt ein kleines Notizbuch, das dicht mit tibetischen Wörtern und kurzen Sätzen gefüllt ist – kein Vokabelheft für Prüfungen, sondern häufig verwendete Ausdrücke aus der Sprechstunde, die die älteren Menschen verstehen und die die Patienten am dringendsten brauchen. „Dass die älteren Menschen es verstehen und Vertrauen fassen können, ist wichtiger als jede fachliche Kompetenz.“ Das ist die einfachste Wahrheit der medizinischen Grundversorgung und zugleich die Überzeugung, an der Tang Chunxia seit elf Jahren festhält. „Wir sind sehr dankbar, dass Dr. Tang uns den Krankheitsverlauf in leicht verständlichem Tibetisch erklären kann“, sagte Norbu, ein Dorfbewohner aus Jariqa in der Gemeinde Bujiu.
Die Geschichte von Tang Chunxia ist ein Mikrokosmos der Entwicklung der medizinischen Grundversorgung in Xizang. Heute können die überwiegende Mehrheit leichter Erkrankungen in Xizang bereits vor Ort in den Gemeinden (Stadtbezirken) wirksam behandelt werden, und die Menschen aller Volksgruppen können grundlegende medizinische Versorgung direkt vor ihrer Haustür in Anspruch nehmen.
(Redakteur: Daniel Yang)